Viele Jahre bin ich ein überzeugter Nichtläufer gewesen. Sport ja, aber definitiv nicht laufen, lautete mein Motto. Laufen empfand ich als den langweiligsten Sport der Welt, für mich musste immer ein Ball im Spiel sein. Wie ich mittlerweile (und viele Kilometer später) weiß, habe ich mich extrem geirrt: Laufen ist kein Sport und erst recht nicht langweilig.
Ja, richtig gelesen: Laufen ist kein Sport. Sondern eine Schlüsselgewohnheit, die ein Leben nachhaltig positiv verändern kann. Wurde dies schon einmal über Tennis oder Fußball gesagt? Klar, wenn jemand diese Sportarten professionell betreibt und viel Geld damit verdient, ist das – zumindest finanziell – der Fall, aber eher die Ausnahme. Der Begriff “Schlüsselgewohnheit” stammt vom amerikanischen Autor Charles Duhigg. Aus seiner Sicht haben diese das Potenzial, das eigene Selbstverständnis und den Sinn, was möglich ist, entscheidend zu beeinflussen und Auswirkungen auf andere Lebensbereiche zu haben. Aus meiner Sicht das beste Beispiel hierfür ist die amerikanische Organisation “Back on my feet”, die Obdachlosen hilft, wieder ein geregeltes Leben zu führen. Und was bildet die Grundlage hierfür? Regelmäßige gemeinsame morgendliche Laufeinheiten.
Kleine Erfolge und positive Veränderungen durch Laufen
Die Teilnehmer lernen, eine neue Gewohnheit zu etablieren, Struktur in ihren Tag zu bringen, feiern regelmäßig kleine Erfolge, fühlen sich als Teil der Laufgemeinschaft und erlangen etwas zurück, von dem sie dachten, es längst verloren zu haben: den Glauben an sich selbst. Ein ähnliches Prinzip findet man in der Lauftherapie, welche sich an Menschen mit Depressionen, Burn-Out oder Suchtproblemen wendet.
Mir hat das Laufen dabei geholfen, meinen persönlichen Teufelskreis zu durchbrechen. Der Startschuss hierfür fiel an einem Samstag im Jahr 2007, nach einem morgendlichen Blick in den Spiegel, bei dem ich mich vor mir selbst geekelt habe. Nach meiner ersten keuchenden und schnaufenden Runde war damals allerdings nicht ansatzweise absehbar, welchen Stellenwert das Laufen einmal für mich bekommen sollte. Aber dieser Samstag war der Wendepunkt.
Die vielen Facetten des Laufens
In der Zeit danach habe ich dann gelernt, dass das Laufen eines nicht ist: langweilig.
Ich kann dabei den Alltagsstress hinter mir lassen, abschalten, Lösungen für Probleme- oder neue Ideen finden. Meine gewohnte Umgebung zu verschiedenen Jahreszeiten kennenlernen oder im Urlaub neue Strecken entdecken. Absolut auspowern oder bei einem Genusslauf entspannen. Alleine meinen Gedanken nachgehen oder in der Gruppe quatschen. Die Stadt dabei beobachten, wie sie morgens erwacht oder abends schlafen geht. Den Geräuschen der Natur lauschen oder meinen Lieblingssongs. Laufen hilft mir in schwierigen Phasen und beflügelt mich in guten Zeiten.
Von den ganzen positiven Auswirkungen auf die Gesundheit an dieser Stelle ganz zu schweigen.
Daher ist Laufen für mich kein Sport, sondern ein Lebensgefühl.
In diesem Sinne: Geht raus und lauft!

Lieber Thorsten,
ich weiß genau, was du meinst. Sport gehörte schon immer irgendwie in mein Leben. Aber ich schaffte es auch immer irgendwie mir den Spaß selbst zu versauen. Ich bin meinen ersten offiziellen Lauf im Mai 2010 in Bayreuth, dem Maisel´s Funrun, mit meinem Bruder, gelaufen. Völlig überpaced (wird das so geschrieben …) zu Beginn um dann fix und fertig nach 1:16 Stunden für 11 km im Ziel anzukommen. Auf der Strecke dachte ich, ich kippe um. Wieder zu Haus angekommen meldete ich mich für den Halbmarathon im Oktober in Magdeburg an. Ja, das RunnersHigh hatte zugeschlagen. 😉 Ich hatte keine Ahnung, wie ich am besten trainiere und 20 kg schwerer, als heute, war ich außerdem …. Ich bin den Halbmarathon natürlich gelaufen. Bin nach 2 Stunden und 30 Minuten im Ziel angekommne und habe danach für lange Zeit keine Laufschuhe mehr angezogen. Dann habe ich wieder mit dem Laufen begonnen, habe aber wieder Fehler gemacht. Immer wenn ich, für mich, ein Zeitziel geschafft habe, wollte ich unbedingt beim nächsten Mal besser sein wollte. Das wurde nichts und ich verlor wieder die Lust.
Im Jahr 2017 habe ich dann meine Ernährung, mit Hilfe eines Programms, radikal umgestellt. Ich habe viel Kraftsport gemacht und fühlte mich endlich wohl in meinem Körper. Ich begann 2019 wieder mit dem laufen. Es fühlte sich super an und ging auch einfacher. Ich lief wieder einen Halbmarathon und war diesmal nach 1 Stunde und knapp 44 im Ziel. Ich wollte bis dato nie einen Marathon laufen. Der Rest ist Geschichte. Durch Corona trat das Laufen wieder viel mehr in den Vordergrund. Ich hatte mittlerweile gelernt, wie man nach Plan trainiert. Mich belesen und mit Gleichgesinnten im Netz ausgetauscht. Und nun genieße ich die Läufe und bin gern ein Einzelläufer. Außer mit dem Laufrudel der Kommando Fischfrikadelle. Dies gibt mir noch einmal mehr Kraft und ich bin froh, so viele lieben Menschen, kennengelernt zu haben.
Ich mag die Zeit mit mir selbst. Bin stolz auf das, was ich bist dato bereits erreicht haben. Werde am Samstag meinen ersten kleinen Ultra, nur für mich und mit mir, laufen und dabei Runner Radio hören. Ich habe während meiner Läufe vieles hinterfragt und mittlerweile auch Entscheidungen getroffen, welche mein Leben grundlegend verändert haben. Aber es waren die richtigen Entscheidungen. Und diese Kraft und diese positive Stärke ziehe ich für mich aus diesem Sport. Der wie du schon sagst, kein Sport, sondern eine Schlüsselgewohnheit und Lebensbereicherung ist.
So viel wollte ich gar nicht schreiben. Aber es lief einfach 😉
Lieben Gruß
Ulli
Liebe Ulli, eine tolle Erfolgsgeschichte. Danke für das Teilen!